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Ă
land
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Vorlage:Infobox Staat/Wartung/NAME-DEUTSCH
Ă
land (; auch Landskapet Ă
land finnisch Ahvenanmaa, auch Ahvenanmaan maakunta, in deutscher Amtssprache Ă
landinselncite-ref-2[2]) ist eine mit weitgehender politischer Autonomie ausgestattete Landschaft Finnlands. Sie besteht aus der gleichnamigen Inselgruppe in der nördlichen Ostsee am Eingang des Bottnischen Meerbusens zwischen Schweden und dem finnischen Festland. Schwedisch ist die einzige Amtssprache der Region, die infolge einer Entscheidung des Völkerbundes aus dem Jahr 1921 als entmilitarisierte Zone zu Finnland gehört, aber ihre inneren Angelegenheiten weitgehend autonom verwaltet. Bestimmte politische und wirtschaftliche Rechte stehen auch finnischen Staatsangehörigen nur begrenzt zu. Die Wirtschaft der Inseln wird heute vom Fremdenverkehr und dem Schiffsverkehr bestimmt. Letzterer wird durch steuerliche Sonderregelungen begĂŒnstigt, die beim Verkehr mit Ă
land steuerfreien Einkauf ermöglichen.
Contents
âą Geographie
âą Allgemeines
âą Geologie
âą Klima
âą Flora und Fauna
⹠Bevölkerung
âą Sprache
âą Religion
âą Geschichte
âą Vorgeschichte
âą Schwedische Zeit
âą Russische Zeit
âą Politik
âą Selbstverwaltung
âą Wirtschaft
âą Allgemeines
âą Kultur
âą Architektur
âą Bildungswesen
âą Medien
âą Sport
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Geographie
Allgemeines
Die Inselgruppe besteht aus ĂŒber 6700 Inseln und SchĂ€ren und bildet einen Archipel am sĂŒdlichen Eingang des Bottnischen Meerbusens in der nördlichen Ostsee. Ă
land reicht bis circa 40 km an die schwedische KĂŒste und bis 15 km an die finnische KĂŒste heran. Die Hauptinsel Fasta Ă
land mit etwa 90 % der Einwohner liegt im Westen, 40 km von der schwedischen und 100 km von der finnischen KĂŒste entfernt.
Die Inseln haben eine LandflĂ€che von insgesamt 1552,38 kmÂČ. Unter Einrechnung der WasserflĂ€chen der Ostsee erreicht die Region eine GröĂe von 13.517 kmÂČ. Die Gesamtzahl der Inseln betrĂ€gt 6757, wenn man als MindestgröĂe einer Insel 0,25 ha ansetzt. Die auf 60 Inseln verteilte Gesamteinwohnerzahl von 30.074 Menschen ergibt eine Bevölkerungsdichte von 18,4 Einwohnern/kmÂČ.
Ă
land ist eine relativ flache Inselgruppe. Der höchste Berg ist der Orrdalsklint im Norden von Fasta Ă
land (Gemeinde Saltvik) mit 129 m Höhe.
Geologie
Die Inseln Ă
lands bestehen zum gröĂten Teil aus metamorphen und magmatischen Gesteinen, die oft als Fels zum Vorschein treten. Sie sind prĂ€kambrischen Alters (circa 1,6 Milliarden Jahre) und gehören zum Baltischen Schild. Vor allem im östlichen Teil der Inselgruppe steht Gneis an. Auf der Hauptinsel und in ihrer Umgebung findet man meist Granite. Bekannt bei Geologen ist die auf den Inseln vorkommende rötliche GranitvarietĂ€t Rapakiwi, die man auch sehr hĂ€ufig in Norddeutschland als eiszeitliches Geschiebe findet.
Die Landschaft wurde von den Vereisungen des Eiszeitalters geprĂ€gt. Typisch sind Rundhöckerlandschaften und SchĂ€ren. In der letzten Eiszeit wurde das Land von den Eismassen vollstĂ€ndig unter den Wasserspiegel gedrĂŒckt, so dass nach dem Abschmelzen der Gletscher die Ă
landinseln fast komplett von Wasser bedeckt waren. Seit etwa 13.000 Jahren hebt sich das Land allmĂ€hlich aus dem Meer, beginnend mit dem höchsten Punkt Ă
lands, dem Orrdalsklint. Im Laufe der Zeit stieg das Land weiter an und immer mehr Inseln bildeten sich. Dieser Prozess setzt sich bis heute fort: Ă
land steigt mit einer Geschwindigkeit von etwa sieben Millimetern pro Jahr aus dem Meer empor.
Dort, wo sich Meeresablagerungen (meistens Feinsande und Schluffe) in gröĂerer MĂ€chtigkeit (einige Meter) absetzen konnten, ist nach der postglazialen Landhebung Landwirtschaft möglich. Landwirtschaftlich nutzbar sind auch die Areale, auf denen die Gletscher beim Abschmelzen noch geringmĂ€chtige Sedimente auf den anstehenden Felsen ablagerten.
Klima
Das Klima auf Ă
land ist aufgrund der Insellage in der Ostsee im Vergleich zum schwedischen und finnischen Festland gemĂ€Ăigt. Die Ostsee erwĂ€rmt im Winter die kalten Nordostwinde und kĂŒhlt im Sommer die heiĂen SĂŒdostwinde. Der jĂ€hrliche Niederschlag liegt bei durchschnittlich 541 mm pro Jahr und ist damit geringer als auf dem schwedischen und dem finnischen Festland.
Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 5,5 Grad Celsius. Die höchste jemals auf Ă
land gemessene Temperatur betrug 31,3 Grad Celsius, die niedrigste â32,4 Grad Celsius. Die Durchschnittswerte fĂŒr die einzelnen Monate des Jahres aus den Jahren 1971 bis 2000 sind der untenstehenden Klimatabelle zu entnehmen.cite-ref-fmi-metjahrbuch2003-3-0[3]
Flora und Fauna
Ă
land gehört zur Vegetationszone des borealen Nadelwaldes. Neben den vorherrschenden Tannen- und Fichtenarten gibt es jedoch auch zahlreiche LaubbĂ€ume, insbesondere Eichen, Eschen, Ulmen, Ahorne und Linden. Auf den Inseln wachsen auch viele Orchideenarten, von denen die meisten zu den etwa fĂŒnfzig unter Naturschutz stehenden Pflanzen gehören.
In Ă
land sind 25 SĂ€ugetierarten beheimatet, darunter viele Nagetiere, aber auch Rothirsche und Rehe.
Durch die Meerlage und das relativ milde Klima gibt es eine reichhaltigere Vogelwelt als auf dem finnischen Festland. Auf den Inseln brĂŒten ĂŒber 130 Vogelarten, darunter bedrohte Wasservögel wie die Bergente. Der Seeadler, der Mitte der 1970er Jahre in ganz Finnland praktisch ausgerottet war, kann nach erfolgreichen Schutz- und WiederansiedlungsbemĂŒhungen in Ă
land in groĂer Zahl angetroffen werden. Von dem Jagdwild abgesehen stehen fast alle Tiere Ă
lands unter Naturschutz.
Bevölkerung
Die Bevölkerungszahl von Ă
land ist seit 1970 langsam, aber stetig gestiegen. Lebten 1970 noch 20.666 Menschen auf den Inseln, waren es Ende 2014 insgesamt 28.916, was einem Wachstum von etwa einem Prozent pro Jahr in diesem Zeitraum entspricht. Das Bevölkerungswachstum kommt vorwiegend von im ĂŒbrigen Finnland oder im Ausland geborenen Einwohnern. 1970 machten sie noch rund 20 % aus, heute sind es rund 35 %.cite-ref-stat2015-4-0[4]
Sprache
Siehe auch
:
Sprachen auf Ă
land
Einzige offizielle Sprache Ă
lands ist gemÀà § 36 Abs. 1 und 2 des Selbstverwaltungsgesetzes Schwedisch. Die groĂe Mehrheit der Ă
lÀnder Bevölkerung, derzeit 88,3 % (Stand Ende 2014), gibt Schwedisch als Muttersprache an. Allerdings sinkt dieser Anteil leicht: 1990 betrug er noch 94,5 %.cite-ref-stat2015-4-1[4]
Der auf Ă
land gesprochene schwedische Dialekt, das Ă
lÀndische (ÄlÀndska), steht dem in Schweden gesprochenen Reichsschwedischen nÀher als dem von der schwedischsprachigen Minderheit in Finnland gesprochenen Finnlandschwedischen.
Auch innerhalb des Ă
lÀndischen gibt es noch einige unterschiedliche Dialekte. So sprechen die Einwohner im Westen der Inselgruppe (in den Gemeinden Eckerö und Hammarland) einen Dialekt, der dem Reichsschwedischen mehr Àhnelt als andere ÄlÀndische Dialekte. In den östlichen SchÀren ist der Dialekt dem Finnlandschwedischen Àhnlicher.
Der Ă„lĂ€ndische Dialekt verfĂŒgt ĂŒber eine Reihe von eigenstĂ€ndigen Wörtern, die es weder auf dem schwedischen Festland noch im Finnlandschwedischen gibt. Als Beispiele seien genannt:
âą inga statt inte (nicht)
âą blystra statt vissla (pfeifen)
⹠byka statt tvÀtta (waschen)
Eine Minderheit von 4,8 % der Einwohner Ă
lands gibt als Muttersprache Finnisch an. Diese ist schon seit langem die mit Abstand gröĂte Minderheitensprache; sie wies bis ungefĂ€hr 2010 mehr Muttersprachler auf als die sonstigen Sprachen zusammen. Mittlerweile machen die Muttersprachler anderer Sprachen zusammengenommen 6,9 % aus. Die derzeit (Stand Ende 2014) meistvertretenen Sprachen in dieser Gruppe sind Lettisch und RumĂ€nisch mit je 1,0 %, gefolgt von Estnisch 0,7 %, Russisch 0,5 % und ThailĂ€ndisch 0,5 %.cite-ref-stat2015-4-2[4]
Religion
Soweit sich die Ă
lĂ€nder zu einer Glaubensgemeinschaft bekennen, gehören sie praktisch ausschlieĂlich der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands an. Die Ă
land-Inseln gehören seit 1923 zum Bistum BorgĂ„ (auch Bistum Porvoo), das die schwedischsprachigen Regionen Finnlands betreut. Die Propstei Ă
land des Bistums BorgĂ„ besteht aus zehn Gemeinden. Heute (Stand Ende 2014) gehören 78,3 % der Ă
lÀnder dieser Kirche an. Nur eine Minderheit von 1,2 % gehört einer Freikirche oder einer anderen Glaubensgemeinschaft an (Zeugen Jehovas 0,2 %, Römisch-Katholisch 0,3 %, Griechisch-Orthodox 0,3 %, Sonstige 0,3 %).cite-ref-stat2015-4-3[4]
Die Zahl der Konfessionslosen ist in den vergangenen Jahren angestiegen, von 4,7 % im Jahr 1990 auf 20,5 % im Jahr 2015.cite-ref-stat2015-4-4[4]
Geschichte
Vorgeschichte
In der Steinzeit siedelten sich erste Fischer und SeehundjĂ€ger auf der entstehenden Inselgruppe an (Jettböle). Die ersten BronzegegenstĂ€nde, zunĂ€chst Schmuck, bald auch Waffen, erreichten Ă
land wĂ€hrend des 1. Jahrhunderts v. Chr. und markierten den â in diesem Teil Europas spĂ€ten â Beginn der Bronzezeit. Die Periode dauerte bis in das 4. Jahrhundert.
FĂŒr die folgenden etwa 200 Jahre konnten keine Spuren menschlichen Lebens nachgewiesen werden, die Inseln waren anscheinend unbewohnt. Die GrĂŒnde fĂŒr die Entvölkerung sind ungeklĂ€rt. Eine neue Welle von Siedlern erreichte die Inseln im 7. Jahrhundert aus dem Westen. Sie stellte die Vorfahren der heutigen Bevölkerung dar. WĂ€hrend der Eisenzeit und zur Zeit der Wikinger waren die Inseln relativ dicht besiedelt. An diese Zeit erinnern zahlreiche GrĂ€berfelder und sechs Wallburgen, von denen die Wallburg Borge die gröĂte ist.cite-ref-5[5]
Schwedische Zeit
Zum Zeitpunkt der schwedischen ReichsgrĂŒndung im Hochmittelalter zwischen 1000 und 1300 war Ă
land unter der Herrschaft der Diözese Linköping. Ă
land wurde Teil des neuentstandenen schwedischen Reiches, lange bevor sich der Einflussbereich des Reiches auf das heutige Finnland ausdehnte. In diese Zeit fĂ€llt auch die Christianisierung der Inseln. Die Geschichte Ă
lands verlief in der Folgezeit synchron mit der Geschichte Schwedens. Aufgrund seiner Lage kam Ă
land dabei strategische Bedeutung zu. Dies fĂŒhrte bereits zur Errichtung der Burg Kastelholm durch Bo Jonsson Grip (â 1386). Die Burg wurde 1388 erstmals urkundlich erwĂ€hnt.
In den Wirren der Kalmarer Union wechselte die Burg mehrmals den Besitzer. Sie wurde 1440 von Karl Knutsson erobert, der sich vorĂŒbergehend die schwedische Königskrone sichern konnte. Svante Nilsson (â 1512) ĂŒbernahm Kastelholm 1480 fĂŒr den dĂ€nischen König. Nachdem Svante allerdings die Seiten gewechselt hatte, ĂŒbergab er die Burg 1497 an Sten Sture den Ălteren, von dem die Burg wiederum an Gustaf Wasa ĂŒberging. Nach heftigen Angriffen der DĂ€nen wurde die Inhaberschaft zunĂ€chst 1502 durch ein Duell zwischen dem dĂ€nischen Feldherrn Lyder Frisman und Wasas Vertreter Henning von Brockenhus zugunsten der DĂ€nen entschieden, welche die Burg jedoch nach zwei Jahren wieder aufgaben.
In den folgenden Jahrhunderten rĂŒckte Ă
land aus dem Fokus des Geschehens. Der Burgbezirk verlor zunehmend an Bedeutung. Die Bewohner Ă
lands spĂŒrten dennoch die Auswirkungen der Kriegsunternehmungen des expandierenden Reiches. Sie hatten hohe Steuern zu leisten und Soldaten, hauptsĂ€chlich fĂŒr die schwedische Flotte, abzustellen. Als Folge des GroĂen Nordischen Krieges geriet der gröĂte Teil des heutigen Finnlands, insbesondere Ă
land, 1714 unter russische Besatzung. Die bis 1721 andauernde gewalttĂ€tige Herrschaft der russischen Marine fĂŒhrte dazu, dass in diesen Jahren ein GroĂteil der Ă„lĂ€ndischen Bevölkerung nach Schweden floh. Ein weiterer Krieg fĂŒhrte zur erneuten Besetzung Ă
lands von 1741 bis 1743. Erneut flohen viele Einwohner, jedoch war diese Besatzungszeit von weniger Ăbergriffen geprĂ€gt.
Russische Zeit
Der Burgbezirk Ă
land ging 1809 im Zuge des Friedens von Fredrikshamn zusammen mit Festland-Finnland an das Zarenreich und wurde Teil des autonomen GroĂfĂŒrstentums Finnland. Russland baute auf den Inseln die Befestigungsanlage Bomarsund. WĂ€hrend des Krimkrieges landeten am 8. August 1854 französische Truppen auf Ă
land. Sie belagerten und bombardierten die Festung acht Tage lang, bevor sich die Besatzung ergab. Vor ihrem Abzug zerstörten die Franzosen die Festung.
Nach dem Krieg wurden die Inseln auf Verlangen von England und Frankreich demilitarisiert.cite-ref-6[6] Russland verpflichtete sich im Pariser Friedensvertrag von 1856, Ă
land nicht zu befestigen. WĂ€hrend des Ersten Weltkrieges brachte Russland mit EinverstĂ€ndnis der VerbĂŒndeten England und Frankreich erneut Truppen nach Ă
land und begann wieder mit der Befestigung der Inseln. Rechtsgerichtete Kreise in Schweden nahmen dies zum Anlass, den Kriegsbeitritt auf deutscher Seite zu fordern und Ă
land dem schwedischen Königreich anzuschlieĂen.cite-ref-virrankoski778-7-0[7]
Finnland oder Schweden?
Die russische Februarrevolution im Jahr 1917 fĂŒhrte in Finnland zu turbulenten politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die am 6. Dezember des Jahres in die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung des finnischen Parlaments mĂŒndeten. Gleichzeitig schwand die Disziplin der in Finnland stationierten russischen StreitkrĂ€fte. In Ă
land kam es 1917 vermehrt zu gewaltsamen Ăbergriffen gegen die Bevölkerung. In der Folge wurde auch in Ă
land offen ĂŒber einen Anschluss an Schweden nachgedacht. Im Winter 1917/18 sammelten Aktivisten in der rund 21.000 Einwohner zĂ€hlenden Inselgruppe ĂŒber 7000 Unterschriften unter eine Adresse, die den Anschluss an Schweden forderte.cite-ref-virrankoski778-7-1[7]
Der Ausbruch des finnischen BĂŒrgerkrieges Ende Januar 1918 leitete fĂŒr Ă
land eine Phase turbulenter Ereignisse ein. Das weiĂe Schutzkorps aus Uusikaupunki, das zu Anfang des Krieges im Hinterland des Roten Finnland operierte, zog sich am 7. Februar nach Ă
land zurĂŒck und ĂŒbernahm, wĂ€hrend sich die russischen Truppen neutral verhielten, die Kontrolle ĂŒber die Inseln. Am 20. Februar trafen schwedische Kriegsschiffe ein und erklĂ€rten, von der schwedischen Regierung zum Schutz der Ă
lĂ€nder Zivilbevölkerung gesandt worden zu sein. Die russischen Truppen verlieĂen die Inseln ebenso wie das finnische Schutzkorps. Zur Entwaffnung des Letzteren hatte der finnische Botschafter in Stockholm scheinbar sein EinverstĂ€ndnis gegeben. TatsĂ€chlich war ein entgegengesetztes Telegramm an den Botschafter vom Oberbefehlshaber der weiĂen Armee in Finnland, Carl Gustaf Emil Mannerheim, durch den schwedischen Seeminister Erik Palmstierna abgefangen worden.cite-ref-virrankoski-8-0[8]
Die schwedische PrĂ€senz in Ă
land blieb kurz. Das bĂŒrgerliche Finnland hatte sich inzwischen an das Deutsche Reich gewandt, um Hilfe im BĂŒrgerkrieg zu erhalten. Mit EinverstĂ€ndnis von Edvard Hjelt als Vertreter der weiĂen Regierung in Berlin landeten deutsche Truppen am 5. MĂ€rz 1918 in Ă
land und besetzten die Inseln schnell (siehe: Finnland-Intervention), wĂ€hrend sich die Schweden umgehend zurĂŒckzogen.cite-ref-virrankoski2-9-0[9]
Die deutschen Truppen verschwanden nach der Vereinbarung des Waffenstillstandes im November 1918. Ă
land blieb zunĂ€chst militĂ€risch unbesetzt. Als Teil des alten finnischen GroĂfĂŒrstentums gehörte Ă
land formell zu Finnland. Der Anschluss an Schweden wurde jedoch weiterbetrieben. FĂŒhrer der separatistischen Bewegung in Ă
land war der Zeitungsjournalist Julius Sundblom. In Schweden fand die Ăbernahme Ă
lands prominente UnterstĂŒtzung in König Gustav V. und der Regierung unter MinisterprĂ€sident Hjalmar Branting. Die schwedische Seite berief sich in erster Linie auf das Selbstbestimmungsrecht der Ă
lĂ€nder, ein Prinzip, auf das sich immerhin die Finnen selbst bei ihren gleichzeitigen OstkriegszĂŒgen nach Karelien beriefen.cite-ref-virrankoski778-7-2[7]
1919 versuchte Schweden zweimal vergeblich, die Ă
landfrage auf die Tagesordnung der Friedenskonferenz von Versailles zu bringen. Finnland verabschiedete seinerseits im FrĂŒhjahr 1920 ein Gesetz, das Ă
land eine weitgehende Selbstverwaltung zugestand, sandte aber auch StreitkrĂ€fte auf die Inseln. Nachdem Finnland im Dezember 1920 in den Völkerbund aufgenommen worden war, wurde diesem die Ă
landfrage schlieĂlich auf britische Initiative zur Entscheidung vorgelegt. Nach dessen am 24. Juni 1921 ergangener Entscheidung sollten die Inseln im Staatsverbund Finnlands verbleiben. Jedoch seien zur Sicherung der NationalitĂ€t, der Sprache und der Kultur der schwedischsprachigen Bevölkerung der Inseln verschiedene Garantien zu geben. Ferner sollte der demilitarisierte Status der Inseln wiederhergestellt werden.cite-ref-virrankoski778-7-3[7]
Finnland akzeptierte die Bedingungen und setzte sie als ErgĂ€nzungen zu der bereits 1920 gewĂ€hrten Selbstverwaltung in Kraft. Am 20. Oktober 1921 wurde in Genf ein Abkommen ĂŒber die Demilitarisierung und NeutralitĂ€t Ă
lands geschlossen, das mit Ausnahme der Sowjetunion alle Anrainerstaaten der Ostsee unterzeichneten. Die Befestigungen auf der Insel waren schon 1919 abgebaut worden.
Autonome Region Finnlands
1922 fanden in Ă
land die ersten Wahlen statt, und am 9. Juni 1922 trat das Ă„lĂ€ndische Parlament, das damals noch Landsting (heute Lagting) hieĂ, zu seiner ersten Plenarsitzung zusammen. Der 9. Juni ist seither Ă„lĂ€ndischer Nationalfeiertag.
Vom 23. bis 26. September 1941 kreuzte die sogenannte Baltenflotte der Deutschen Kriegsmarine unter dem Befehl von Vizeadmiral Otto Ciliax auf dem Schlachtschiff Tirpitz in der Ă
landssee, um einen Ausbruch der sowjetischen Rotbannerflotte aus dem belagerten Leningrad zu verhindern.cite-ref-10[10]
Am Ende des Zweiten Weltkrieges (1944) plante die deutsche Kriegsmarine ein Landungsunternehmen zur Besetzung der Inseln im Kampf gegen die Sowjetunion (Unternehmen Tanne West). Es wurde jedoch nicht durchgefĂŒhrt, nachdem die Landung auf der Ostseeinsel Hochland gescheitert war (Unternehmen Tanne Ost).
Am 3. April 1954 erhielt Ă
land seine eigene Flagge, die auf die historischen Beziehungen zu Schweden Bezug nimmt: ein rotes Kreuz auf gelbem Kreuz mit blauem Hintergrund. Der blaue Hintergrund mit gelbem Kreuz stellt die schwedische Flagge dar, das rote Kreuz auf dem gelben Kreuz stellt die alten schwedischen Farben fĂŒr Finnland dar (Farben des finnischen Wappenlöwen). Ă
land hat seit 1984 eigene Briefmarken und seit 1993 das eigene Postunternehmen Ă
land Post.
Die Mehrzahl der Einwohner Ă
lands verhĂ€lt sich gegenĂŒber dem finnischen Hauptland weiterhin distanziert, jedoch ist man mit dem geltenden Autonomiestatus in der Regel zufrieden. Die Idee eines unabhĂ€ngigen Ă
lands ist noch nie ein groĂes Thema gewesen, wenn auch dieser Gedanke langsam mehr AnhĂ€nger gewinnt. Die Wiedervereinigung mit Schweden ist ebenfalls kein Thema mehr, obwohl sich Ă
land hauptsÀchlich an Schweden orientiert.
Politik
Selbstverwaltung
Ă
land ist eine von 19 Landschaften (maakunta/landskap) Finnlands, nimmt aber durch seinen Autonomiestatus eine Sonderrolle ein. Das Selbstverwaltungsrecht Ă
lands ist in § 120 der Verfassung Finnlands verbĂŒrgt. Die Einzelheiten sind in einem eigenen Selbstverwaltungsgesetz geregelt, das heute in der Fassung vom 16. August 1991 in Kraft ist und im Rang der Verfassung gleichsteht. Ă
land verfĂŒgt fĂŒr die Beschlussfassung in Selbstverwaltungsangelegenheiten ĂŒber ein eigenes Parlament, das Lagting âLandtagâ, sowie eine eigene Landschaftsregierung. Der Landtag wird alle vier Jahre in allgemeinen Wahlen gewĂ€hlt. Die Ă
lĂ€ndische Landschaftsregierung (Ă
lands landskapsregering) wird vom Landtag ernannt.
Der Landtag besitzt Gesetzgebungskompetenz fĂŒr die Angelegenheiten, die der Selbstverwaltung unterfallen. Zu diesen Angelegenheiten gehören praktisch alle Regelungen der inneren Verwaltung, des örtlichen Wirtschaftslebens, der SozialfĂŒrsorge sowie der inneren Ordnung. Beim finnischen Staat verbleiben die Kompetenzen in der AuĂenpolitik, der gröĂte Teil des Zivil- und Strafrechts, die Organisation der Gerichte sowie Zoll- und Steuerangelegenheiten.
Die in Ă
land tĂ€tigen politischen Parteien sind organisatorisch völlig unabhĂ€ngig von den im ĂŒbrigen Finnland tĂ€tigen Gruppierungen. Wahlergebnisse der letzten fĂŒnf Wahlen:
| Partei | Partei | Politische Ausrichtung | 2023 | 2023 | 2019 | 2019 | 2015 | 2015 | 2011 | 2011 | 2007 | 2007 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Partei | Partei | Politische Ausrichtung | Anteil | Mandate | Anteil | Mandate | Anteil | Mandate | Anteil | Mandate | Anteil | Mandate |
| | Liberale auf Ă
land (Liberalerna pĂ„ Ă
land) | liberal | 29,93 % | 9 | 19,64 % | 6 | 23,3 % | 7 | 20,3 % | 6 | 31,6 % | 10 |
| | Ă
lĂ€ndisches Zentrum (Ă
lÀndsk Center) | sozialliberal | 21,24 % | 7 | 27,94 % | 9 | 21,6 % | 7 | 23,6 % | 7 | 23,5 % | 0 8 |
| | Ungebundene Sammlung (Obunden Samling) | konservativ , souverÀnistisch | 15,31 % | 5 | 13,57 % | 4 | 0 9,6 % | 3 | 12,6 % | 4 | 11,9 % | 0 4 |
| | Ă
lands Sozialdemokraten (Ă
lands Socialdemokrater) | sozialdemokratisch | 12,82 % | 4 | 0 9,10 % | 3 | 15,8 % | 5 | 18,5 % | 6 | 11,5 % | 0 3 |
| | Moderate Sammlung fĂŒr Ă
land (Moderat Samling för Ă
land) 1 | liberal , konservativ | 12,54 % | 4 | 13,82 % | 4 | 17,9 % | 5 | 13,9 % | 4 | 0 9,5 % | 0 3 |
| | Nachhaltige Initiative (HĂ„llbart initiativ) | GrĂŒne Politik | 0 5,13 % | 1 | 0 8,33 % | 2 | 0 0,8 % | 0 | â | â | â | 0 â |
| | Ă
lands Zukunft (Ă
lands Framtid) | sezessionistisch | 0 2,87 % | 0 | 0 4,64 % | 1 | 0 7,4 % | 2 | 0 9,9 % | 3 | 0 8,1 % | 0 2 |
| | Jannik Svensson | | 0 0,16 % | 0 | â | â | â | â | â | â | â | â |
| | Ă
lĂ€ndische Demokratie (Ă
lĂ€ndsk Demokrati) | nationalkonservativ , rechtspopulistisch | â | â | 0 2,95 % | 1 | 0 3,6 % | 1 | â | â | â | 0 â |
| | Wahlvereinigung fĂŒr Henrik Appelqvist (Valmansförening för Henrik Appelqvist) | | â | â | â | â | â | â | 0 1,1 % | 0 | â | 0 â |
| | Gruppe fĂŒr nachhaltige Entwicklung ( Gruppen för hĂ„llbar utveckling , Abk. HUT) | Nachhaltige Entwicklung | â | â | â | â | â | â | â | â | 0 1,2 % | 0 0 |
bei der Wahl 2011
Moderaterna pĂ„ Ă
land
, vor 2011
Frisinnad Samverkan
Ă
land ist Mitglied des Nordischen Rats. Am 5. September 2007 wurde dort das Ă
landsdokument beschlossen, das den Autonomiegebieten Ă
land, den FÀröern und Grönland die gleichwertige Mitgliedschaft im Nordischen Rat ermöglichen soll.
VerhÀltnis zu Finnland
Ă
land nimmt wie alle anderen Teile Finnlands an den in Finnland abgehaltenen allgemeinen Wahlen, insbesondere den Wahlen zum finnischen Parlament und zum EuropĂ€ischen Parlament sowie der Direktwahl des PrĂ€sidenten teil. Bei den Wahlen zum finnischen Parlament bildet Ă
land einen eigenen Wahlkreis. Der autonomen Inselgruppe steht nach § 25 der finnischen Verfassung unabhĂ€ngig von der Bevölkerungszahl einer der 200 Sitze im Parlament zu. UnabhĂ€ngig von der Parteizugehörigkeit schlieĂt sich der Vertreter Ă
lands im Parlament Finnlands regelmĂ€Ăig der Fraktion der Schwedischen Volkspartei an. Seit der Wahl von 2015 wird der Sitz Ă
lands von Mats Löfström vom Ă
lÀndischen Zentrum eingenommen.
Die Bewohner Ă
lands sind Staatsangehörige Finnlands. Aufgrund des Selbstverwaltungsgesetzes gibt es aber parallel dazu ein sog. Heimatrecht (HembygdsrĂ€tt), das in seinen Funktionen einer Ă„lĂ€ndischen Staatsangehörigkeit Ă€hnelt. An den Wahlen zum Landtag dĂŒrfen aktiv wie passiv nur Personen mit Ă„lĂ€ndischem Heimatrecht teilnehmen. Auch der Erwerb von Grundeigentum auf den Inseln sowie die Aufnahme einer unternehmerischen TĂ€tigkeit setzen in der Regel das Heimatrecht voraus. Das Ă„lĂ€ndische Heimatrecht kann nur von finnischen Staatsangehörigen erworben werden, die mindestens fĂŒnf Jahre ununterbrochen in Ă
land gewohnt haben und der schwedischen Sprache mÀchtig sind.
Verbindungsorgan zwischen der nationalen Regierung und der autonomen Region ist die Ă
landabordnung (Ă
landsdelegation). Dieser sitzt der Landeshauptmann (landshövding) vor, der vom finnischen PrÀsidenten im Einvernehmen mit dem Landtag ernannt wird. Die finnische Regierung sowie der ÄlÀndische Landtag entsenden jeweils zwei weitere Mitglieder.
Verwaltungsgliederung
Die Gemeinden Ă
lands gruppieren sich in drei Verwaltungsgemeinschaften (ekonomisk region). Die Gemeinden auf der Hauptinsel auĂer Mariehamn gehören der Gemeinschaft Ă
lĂ€nder Land (Ă
lands landsbygd), die Gemeinden auf den Nebeninseln der Gemeinschaft Ă
lĂ€nder SchĂ€ren (Ă
lands skÀrgÄrd) an. Mariehamn bildet eine eigene Verwaltungsgemeinschaft.
Wirtschaft
Allgemeines
Ă
land gehört mit Finnland zur EuropĂ€ischen Union. Aufgrund des Protokolls Nr. 2 des Vertrages zum Beitritt Finnlands zur EuropĂ€ischen Gemeinschaft ist Ă
land allerdings von der Anwendung der gemeinschaftlichen Vorschriften zur Angleichung der Umsatz- und Verbrauchsteuern ausgenommen. Als Konsequenz besteht zwischen Ă
land und dem Rest der EuropĂ€ischen Union, auch zum finnischen Festland, eine Steuergrenze. Warentransporte von und nach Ă
land mĂŒssen daher eine Zollabfertigung durchlaufen. Wegen der Steuergrenze ist auf Reisen von Finnland oder Schweden nach Ă
land aber auch weiterhin steuerfreier Einkauf möglich. Die offizielle WĂ€hrung ist wie im restlichen Finnland der Euro, jedoch kann auf Ă
land oft auch mit der Schwedischen Krone bezahlt werden.
Die Wirtschaft Ă
lands ist durch eine hohe Quote von kleinen und mittleren Unternehmen geprĂ€gt. Es sind etwa 2600 Unternehmen tĂ€tig. Von diesen gehören etwa 700 zum traditionellen Landwirtschaftssektor. In etwa 90 Prozent der Unternehmen sind weniger als zehn Arbeitnehmer beschĂ€ftigt. Die Arbeitslosenquote ist seit Jahren sehr niedrig und in den Sommermonaten oft die niedrigste in Europa. Sie lag Ende September 2007 bei 2,0 Prozent. Wegen der groĂen Bedeutung des Tourismus wird der Arbeitsmarkt teilweise durch sommerliche SaisonarbeitsplĂ€tze geprĂ€gt, wodurch die Arbeitslosigkeit in dieser Zeit regelmĂ€Ăig am niedrigsten liegt.
Verkehr und Tourismus
Neben dem traditionellen Hauptgewerbe der Landwirtschaft ist der Fremdenverkehr, insbesondere der FĂ€hrverkehr, in Ă
land zum bedeutendsten Wirtschaftszweig aufgestiegen. BegĂŒnstigt durch die Möglichkeit des steuerfreien Einkaufs produziert die Schifffahrt inzwischen 40 Prozent des Ă„lĂ€ndischen Bruttosozialprodukts. In diesem Bereich werden mehr Arbeitnehmer benötigt, als auf dem Ă„lĂ€ndischen Arbeitsmarkt verfĂŒgbar sind. Auf den Ă„lĂ€ndischen Schiffen sind daher auch viele Arbeitnehmer aus Finnland und Schweden tĂ€tig.
2004 wurde Ă
land von 224.800 GĂ€sten besucht. Die meisten GĂ€ste kamen mit 111.400 aus Schweden, die zweitgröĂte Gruppe stellte Finnland mit 92.500 Besuchern und an dritter Stelle steht Deutschland mit 6700 GĂ€sten.
FĂ€hrverkehr
Von Helsinki, Turku, Stockholm oder Tallinn aus fahren die groĂen FĂ€hren der Reedereien Viking Line, Rederiaktiebolaget Eckerö und Tallink mit der Silja Line. FĂ€hrverbindungen bestehen auch zu den schwedischen Orten KapellskĂ€r und Grisslehamn. Von der finnischen Seite kommt man auch mit den SchĂ€renfĂ€hren von OsnĂ€s, Kustavi und Galtby, Korpo nach Ă
land, die von Ă
landstrafiken betrieben werden. Ă
landstrafiken verkehrt mit ihren Schiffen auch zwischen den Inseln Ă
lands.
Luftverkehr
Der Flughafen Mariehamn befindet sich drei Kilometer nordwestlich von Mariehamn. Der Flugplatz Kumlinge mit einem Hubschrauberlandeplatz befindet sich in der Verwaltungsgemeinschaft Ă
lÀnder SchÀren.
2005 wurde unter FederfĂŒhrung der Landschaftsregierung Ă
land mit breiter UnterstĂŒtzung der Ă„lĂ€ndischen Wirtschaft eine eigene Fluggesellschaft, Air Ă
land, gegrĂŒndet. 2012 wurde der Flugbetrieb wieder eingestellt und von der Fluggesellschaft Nextjet ĂŒbernommen. Am 16. Mai 2018 erklĂ€rte NextJet die Insolvenz und stellte den Flugbetrieb ein.cite-ref-11[11] Aus Teilen von Nextjet wurde die schwedische Air Leap, die im Juni 2018 den Flugbetrieb am Flughafen Mariehamn wieder aufnahm. Es gibt vom Flughafen Mariehamn regelmĂ€Ăige Verbindungen nach Helsinki-Vantaa, Stockholm und nach Turku.
StraĂenverkehr
Die Inseln verfĂŒgen ĂŒber ein dichtes StraĂennetz mit einer GesamtlĂ€nge von 912,7 km, wovon 646,8 km asphaltiert sind. 2016 lag der Motorisierungsgrad in Ă
land bei 799 (Personenkraftwagen pro 1000 Einwohner).cite-ref-eurostat-12-0[12] HauptstraĂen sind HuvudvĂ€g 1 nach Eckerö, HuvodvĂ€g 2 nach Sund, HuvudvĂ€g 3 nach LĂ„ngnĂ€s (alle von Mariehamn ausgehend) und HuvudvĂ€g 4 von Godby nach Geta. Die Buslinien auf Ă
land werden von Ă
landstrafiken betrieben.
Land- und Forstwirtschaft
Die traditionellen landwirtschaftlichen Gewerbe sind in neuerer Zeit in ihrer Bedeutung hinter den Dienstleistungssektor zurĂŒckgetreten, nehmen aber unverĂ€ndert eine wichtige Rolle im Ă„lĂ€ndischen Wirtschaftsleben ein. 2004 waren 5,3 % der Arbeitnehmer in der Land- oder Forstwirtschaft beschĂ€ftigt. Auch die Industrie Ă
lands, in der 9,8 % der Arbeitnehmer tĂ€tig sind, steht mehrheitlich mit der Veredelung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Fischereiprodukten in Verbindung. Von der LandflĂ€che Ă
lands sind 9 % Ackerland, 4 % Weideland und 58 % Wald.
Die Hauptprodukte der Landwirtschaft Ă
lands sind ZuckerrĂŒben (44.514 Tonnen im Jahr 2004), Kartoffeln (15.969 Tonnen), Zwiebeln (5669 Tonnen), Gerste und Hafer (5597 Tonnen) sowie Weizen (4836 Tonnen). In der Viehwirtschaft ĂŒberwiegt die Milchproduktion (14.433 Tonnen). Die Ă„lĂ€ndischen Fischer fuhren 2004 einen Fang von insgesamt 3300 Tonnen ein, ĂŒberwiegend Heringe (2541 Tonnen). Die 36 Fischzuchten in der Region erzeugten im gleichen Jahr einen Ertrag von 3210 Tonnen.
Kultur
Das Kulturleben Ă
lands wird in erster Linie von privaten Vereinen getragen. FĂŒnfzig dieser Vereine werden aus den ErtrĂ€gen der staatlichen (Ă„lĂ€ndischen) GlĂŒcksspielgesellschaft unterstĂŒtzt.
Typisch fĂŒr Ă
land ist der MidsommarstĂ„ng â ein hoher Mast, der im Sommer in jedem Dorf aufgestellt wird, einem Maibaum Ă€hnelt und mit BĂ€ndern in den Farben der Ă„lĂ€ndischen Flagge geschmĂŒckt ist. Der Ursprung dieses Brauchs, der 1795 erstmals schriftlich erwĂ€hnt wurde, ist unbekannt, gibt es in Ă€hnlicher Weise aber auch in Schweden.cite-ref-13[13]
Zahlreich vertreten sind ebenfalls kleine WindmĂŒhlen, von denen noch rund 100 bis heute erhalten sind â ursprĂŒnglich verfĂŒgte jeder Bauernhof ĂŒber eine eigene WindmĂŒhle.cite-ref-14[14]
Weiteren RĂŒckhalt erhĂ€lt das kulturelle Leben in Ă
land durch die TĂ€tigkeit des Nordischen Ă
land-Instituts (Nordens Institut pĂ„ Ă
land), einer vom Nordischen Ministerrat getragenen Institution zur Förderung der ÄlÀndischen Kultur. Das Institut hat unter anderem zahlreiche umfangreiche Theaterproduktionen ermöglicht, in denen sowohl Profischauspieler als auch Laien mitgewirkt haben. Die bÀuerliche Kultur der Inseln wird im Freilichtmuseum Jan Karlsgarden dargestellt.
Eine wichtige Rolle in der Kultur Ă
lands nimmt das Ă
lĂ€ndische Musikinstitut ein, das rund 300 SchĂŒler beherbergt. Auch auĂerhalb des Instituts sind in Ă
land viele Chöre und Musikgruppen tÀtig.
Architektur
Die Architektur Ă
lands weist kaum nennenswerte Eigenheiten gegenĂŒber der finnischen und schwedischen Architektur auf. Kulturgeschichtlich bedeutsam ist aber die fĂŒr finnische VerhĂ€ltnisse hohe Dichte alter Bausubstanz. Aus der Eisenzeit sind sechs Wallburgen erhalten, von denen die Wallburg Borge in Finström die gröĂte ist.cite-ref-15[15] Da die Inselgruppe bereits frĂŒh unter dem Einfluss des Schwedischen Reiches stand, ist auf Ă
land eine gröĂere Zahl mittelalterlicher GebĂ€ude erhalten. Hierzu gehören neben der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Burg Kastelholm, einer von nur sieben Burgen im Gebiet des heutigen Finnlands, die 13 Feldsteinkirchen des Archipels. Der mittelalterliche Kirchenbau setzte auf Ă
land frĂŒher ein als auf dem finnischen Festland. So ist die zwischen 1275 und 1285 errichtete Kirche von Jomala wahrscheinlich das Ă€lteste erhaltene GebĂ€ude Finnlands. Ein Ă€hnlich hohes Alter erreichen die Kirchen von Lemland, Sund, Hammarland, Saltvik und Eckerö. WĂ€hrend die restlichen mittelalterlichen Steinkirchen Finnlands der Gotik zuzurechnen sind, zeigen die Ă€ltesten Ă„lĂ€ndischen Kirchen noch romanische EinflĂŒsse. Anders als auf dem finnischen Festland verfĂŒgen die Kirchen auf Ă
land meist nach dem Vorbild der Landkirchen Gotlands ĂŒber einen Kirchturm. Das Innere der Kirchen ist mit Seccomalereien von teils hohem kĂŒnstlerischem Wert ausgeschmĂŒckt.
Bildungswesen
Ă
land hat ein gut ausgebautes Bildungsnetz. Jede der 16 Gemeinden verfĂŒgt ĂŒber eine Grundschule, in der die SchĂŒler die ersten neun Schuljahre und damit die gesamte Dauer der Schulpflicht verbringen. Insgesamt gibt es auf den Inseln 25 Schulen, durchschnittlich mit 20 bis 30 SchĂŒlern pro Einrichtung. Insgesamt sind rund 3.000 SchĂŒler registriert, fĂŒr welche etwa 300 Lehrer und 200 sonstige Angestellte zustĂ€ndig sind. Da die Amtssprache Schwedisch ist, wird dies auch in den Schulen unterrichtet. Wie in anderen nordischen LĂ€ndern wird dagegen bereits ab Klasse 3 Englisch unterrichtet.cite-ref-16[16]
Alle weiterfĂŒhrenden Lehranstalten, insbesondere die gymnasiale Oberstufe, sind in der Hauptstadt Mariehamn konzentriert.
In Mariehamn werden auch zahlreiche Berufsausbildungen angeboten. In der Hochschule Ă
land (Högskolan pĂ„ Ă
land) können Studenten verschiedene FachhochschulabschlĂŒsse machen.
FĂŒr weitergehende universitĂ€re Ausbildung mĂŒssen UniversitĂ€ten auĂerhalb Ă
lands aufgesucht werden, wobei die groĂe Mehrheit der Ă„lĂ€ndischen Studenten, rund zwei Drittel, sich fĂŒr die schwedischen Hochschulen entscheidet.
Medien
Auf Ă
land erscheinen zwei lokale Tageszeitungen. Die mit einer Auflage von rund 10.000 Exemplaren knapp gröĂere, 1891 gegrĂŒndete Tidningen Ă
land erschien traditionell an den fĂŒnf Werktagen nachmittags, bis sie 2007 auf morgendliches Erscheinen und sechs wöchentliche Ausgaben umstellte. Das seit 1981 bestehende Konkurrenzblatt Nya Ă
land erschien schon immer morgens und stellte ebenfalls 2007 von fĂŒnf auf sechs Ausgaben pro Woche um.cite-ref-sanomat-17-0[17]
1984 wurde auf Ă
land der erste Ă„lĂ€ndische Rundfunk gegrĂŒndet, Radio/TV Ă
land. Zuvor standen den Ă
lĂ€ndern nur die staatlichen finnischen Fernseh- und Radioprogramme, die auch schwedischsprachige Sendungen senden, sowie die Programme Schwedens zur VerfĂŒgung. ZunĂ€chst wurde 1984 der Radiobetrieb von Radio Ă
land aufgenommen. Seit Ende der 1990er Jahre haben sich daneben auch Steel FM, der sich vornehmlich an die jĂŒngeren Leute richtet, und Soft FM etabliert. Daneben kann man auch die schwedischen Radiosender empfangen, die teilweise auch ein eigenes Lokalradio fĂŒr Ă
land anbieten. Seit Oktober 2007 gibt es auf Ă
land zwei private Fernsehsender, TV Ă
land und Ă
land 24.
Bewohner der Ă
landinseln mĂŒssen die finnische Rundfunksteuer nicht entrichten, zahlen jedoch seit 2021 eine Medienabgabe, die aktuell (2025) bei 127 Euro im Jahr liegt.cite-ref-18[18]
Sport
Ebenso wie die Kultur wird auch der Breitensport in Ă
land aus den Mitteln der staatlichen GlĂŒcksspielgesellschaft (PAF) gefördert. Auf den Inseln sind etwa sechzig Sportvereine tĂ€tig. Zudem nimmt Ă
land an den Island Games teil. Im Sommer 1991 und 2009 fanden die Island-Games jeweils auf Ă
land statt.
Im FuĂball hat zuletzt der IFK Mariehamn fĂŒr Aufsehen gesorgt, als er 2016 finnischer Meister wurde, nachdem er 2004 in die oberste finnische Liga (die Veikkausliiga, schwedisch: Tipsligan) aufgestiegen war und seitdem die Klasse halten konnte. 2017 war er fĂŒr die zweite Qualifikationsrunde der UEFA Champions League qualifiziert, in der er jedoch ausschied. In den Jahren 2013 und 2016 hatte sich der Verein fĂŒr die Qualifikation zur UEFA Europa League qualifiziert, scheiterte jedoch jeweils in der ersten Runde. Die Frauenmannschaft von Ă
land United gewann 2009, 2013 und 2020 die finnische Meisterschaft und wurde 2013 und 2014 Vizemeister. 2020 gewannen sie auch den finnischen Pokal. Diese Erfolgsgeschichte hat in Ă
land eine groĂe FuĂballbegeisterung ausgelöst.
Andere Ă„lĂ€ndische FuĂballvereine spielen teilweise in den unterklassigen finnischen und teilweise in schwedischen Ligen.
GröĂtes FuĂballstadion und Heimat sowohl von IFK Mariehamn als auch von Ă
land United ist der 2005 in Wiklöf Holding Arena umbenannte Idrottsparken. Die 2005/2006 erbaute neue HaupttribĂŒne hat 1650 SitzplĂ€tze,cite-ref-19[19] insgesamt stehen 5637 PlĂ€tze sowie ein Restaurantbereich mit 120 PlĂ€tzen zur VerfĂŒgung. Das Stadion entspricht den UEFA-Anforderungen fĂŒr internationale Pflichtspiele und LĂ€nderspiele.
Der Leichtathlet Janne HolmĂ©n wurde 2002 fĂŒr die finnische Mannschaft Europameister im Marathon.
Am 13. Dezember 2008 schafften zunĂ€chst die Herren vom Volleyballverein Jomala IK, einen Tag spĂ€ter auch die Damen den Aufstieg in die höchste schwedische Spielklasse âAllsvenskanâ.
Eine ebenfalls beliebte Sportart ist das aus Schweden stammende Unihockey (schwedisch Innebandy). Es gibt auf der Insel mehrere Innebandyvereine und Ligen.
Literatur
âą Tobias Behnen: Die Ă
land-Inseln und ihre DualitĂ€ten: Aktuelle Herausforderungen fĂŒr den autonomen Ostsee-Archipel. In: Geographische Rundschau, 2024, 12, S. 14â18.
âą Eija MĂ€kinen: Ă
land und sein Sonderstatus. In: Jahrbuch des Föderalismus. Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2005, ISSN 1616-6558, S. 350â362.
âą Markku Suksi: Ă
lands konstitution separat bilaga med författningstexter. Ă
bo 2005, ISBN 952-12-1566-6.
âą Markku Suksi: The Ă
land Islands in Finland. In: Local self-government, territorial integrity and protection of minorities. Hrsg. v. Council of Europe. Ed. du Conseil de lâEurope, Strasbourg 1996, ISBN 92-871-3173-2, S. 20â50.
âą Birgitta Roeck Hansen: Township and territory. A study of rural land-use and settlement patterns in Aland c. A.D. 500â1550 (= Acta Universitatis Stockholmiensis. Stockholm studies in human geography. Band 6). Almquist and Wiksell, Stockholm 1991, ISBN 91-22-01445-4.
âą James Barros: The Aland Islands Question. Its settlement by the League of Nations. New Haven 1968.
âą Norbert Burger: Die Selbstverwaltung der Alands-Inseln. Eine Studie ĂŒber die Lösung einer Minderheitenfrage durch eine wirkliche Autonomie. Mit Vergleichen zur SĂŒdtirolfrage. Mondsee 1964.
âą J. O. Söderhjelm: Demilitarisation et neutralisation des Ăźles dâAland en 1856 et 1921. Helsingfors 1928.
âą Robert Fillips: Briefmarkenkatalog Ă
land-Spezial 2019. Katalogisierung sĂ€mtlicher Briefmarken, Sonderstempel von Ă
land. Kornwestheim 2018, ISBN 978-3-928470-22-3 (408 Seiten).
âą Franz Schausberger: Regionalwahlen in Ă
land 1979â2007 (= Institut der Regionen Europas. Kurzstudien 2/2007). Salzburg, ISBN 978-3-902557-03-2.
Weblinks
Commons
: Ă
land
â Sammlung von Bildern
Wiktionary: Ă
land
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikivoyage: Ă
land
â ReisefĂŒhrer
âą Atlas: Ă
land â geographische und historische Karten bei Wikimedia Commons
âą Gesetz ĂŒber die Selbstverwaltung Ă
lands auf finlex.fi (englisch, PDF; 68 kB)
âą Touristeninformation auf visitaland.com/de (deutsch)
âą Offizielle Homepage (schwedisch, englisch)
âą Touristeninformation auf alandinseln.info (deutsch)
âą Musterautonomie Ă
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âą Strategisch wichtig, militĂ€risch ungeschĂŒtzt. Was passiert, wenn Russland den Ă
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âą Matts Dreijer, The History of the Ă
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âą Tore Modeen, Völkerrechtliche Probleme der Ă
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Einzelnachweise
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cite-note-fmi-metjahrbuch2003-33. â Finnisches Meteorologisches Institut, Meteorologisches Jahrbuch 2003.
cite-note-stat2015-44. â Statistisches Jahrbuch 2015, Ă
lands statistik och utredningsbyrÄ (Memento vom 16. Juli 2016 im Internet Archive) (schwedisch und englisch)
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cite-note-1919. â Mariehamns Stad: Wiklöf Holding Arena. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 9. November 2018; abgerufen am 11. Februar 2021 (nordsamisch).
60.25071594138920.374145507778coordinatesKoordinaten: 60° 15âČ N, 20° 22âČ O